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Jagdbare Wildarten: Wildschwein Steckbrief 2026
Das Wildschwein zählt zu den am schnellsten wachsenden Haarwildarten Mitteleuropas. Für Jäger und Naturliebhaber liefert dieser aktuelle Steckbrief alle wichtigen Fakten zu Verhalten, Biologie und Jagdpraxis.
📊 Körpermerkmale und Gewichte im Detail
Das Wildschwein gehört zur Familie der echten Schweine und zur Ordnung der Paarhufer. Ein erwachsener Keiler erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 130 bis 170 Zentimetern und bringt bis zu 170 Kilogramm auf die Waage – in Ausnahmefällen deutlich mehr. Die Bache wird bis zu 125 Kilogramm schwer. Frischlinge (1. Lebensjahr) erreichen maximal 45 Kilogramm, Überläufer (2. Lebensjahr) bis zu 75 Kilogramm.
Charakteristisch ist der große Kopf, der rund ein Drittel des Körpers ausmacht und praktisch ohne Hals in einen stämmigen Körper übergeht. Trotz kurzer Beine erreichen Wildschweine Laufgeschwindigkeiten bis 50 km/h. Das Sommerfell ist kurz und glatt, im Winter zottig mit langen schwarzen Borsten – daher der Name Schwarzwild. Ein langer Haarkamm am Rücken, in der Jägersprache “Saubart” genannt, ist ein weiteres Erkennungsmerkmal. Keiler unterscheiden sich durch stark ausgeprägte Eckzähne, die sogenannten „Hauer". Frischlinge tragen in den ersten Lebensmonaten ein mittelbraunes Fell mit gelblichen Längsstreifen.
🌲 Lebensraum in Österreich
In Österreich kommt Schwarzwild in den Flachland- und Augebieten bis ins Voralpenland vor. Die Verbreitung konzentriert sich stark auf das nordöstliche Bundesgebiet – insbesondere Niederösterreich und Burgenland verzeichnen die höchsten Abschusszahlen. In Hochlagen fehlt ausreichende Nahrung für ständigen Aufenthalt. Bevorzugte Lebensräume sind unterholzreiche, feuchte Mischwälder oder Laubwälder mit Gewässern und schlammigen Ufern. Wildschweine sind hervorragende Schwimmer.
🔄 Fortpflanzung und Sozialverhalten der Rotte
Die Geschlechtsreife erreichen Bachen mit 8 bis 10 Monaten, Keiler mit 12 bis 18 Monaten. Die Paarungszeit (Rauschzeit) erstreckt sich von November bis Februar. Die Trächtigkeitsdauer beträgt 114 bis 118 Tage – in der Jägersprache als Merkformel “333” bekannt: 3 Monate, 3 Wochen, 3 Tage. Die Frischzeit liegt normalerweise zwischen März und Juni, allerdings gilt der Jägerspruch: “Februar, März, April – die Bache frischt, wann sie will”. Ein Wurf umfasst durchschnittlich 5 bis 6 Frischlinge (Minimum 2 bis 3, Maximal bis zu 10). Wildschweine leben in Rotten mit ausgeprägtem Sozialverhalten. Mitglieder sind Bachen, Überläufer und Frischlinge. Keiler leben als Einzelgänger und werden nur in der Rauschzeit in der Rotte geduldet.
🎯 Jagdstrecken Österreich 2024/2025: Analyse und Trends
Die aktuelle Jagdstatistik 2024/2025 zeigt einen markanten Rückgang der Schwarzwild-Abschüsse in Österreich. Mit 29.100 erlegten Tieren wurde ein Minus von 39,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet. Zum Vergleich: Im Jagdjahr 2023/24 lag die Strecke noch bei 34.200 Stück Schwarzwild. Diese Entwicklung steht im Kontrast zur generellen Anpassungsfähigkeit der Art und ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen.
Ungünstige Witterungsverhältnisse, vermehrte Wildverluste durch Krankheiten und veränderte Jagdstrategien beeinflussten die Zahlen. Die Gesamtzahl aller Wildabschüsse in Österreich sank im Jagdjahr 2024/25 um 4,6 Prozent auf 725.300 Stück. Besonders betroffen waren Schalenwildarten. In Salzburg wurden 2024 lediglich rund 100 Wildschweine erlegt – von der Salzburger Jägerschaft als zu wenig bewertet, da die Population weiter zunimmt. Die extremen Schwankungen unterstreichen die Notwendigkeit regional angepasster Abschusspläne.
⚠️ ASP-Risiko und Wildschweinschäden in Österreich
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) bleibt ein permanenter Risikofaktor für Österreichs Wildschweinbestände. Im August 2025 meldeten 12 europäische Länder ASP-Ausbrüche bei Wildschweinen, davon drei direkt an Österreich grenzend. Die Verschleppung durch Menschen stellt weiterhin die größte Bedrohung dar. Jäger sind verpflichtet, verdächtige Funde sofort zu melden und Hygienemaßnahmen strikt einzuhalten.
Wildschweine verlieren zunehmend die Scheu vor Menschen und dringen in besiedelte Gebiete vor. Fraß- und Wühlschäden in Gärten, Grünanlagen sowie der Land- und Forstwirtschaft verursachen erhebliche wirtschaftliche Verluste. Für Wanderer gilt: Wildschweine sind grundsätzlich scheu. Bleiben Sie auf markierten Wegen. Während der Aufzucht (März bis Juni) sollten Wurfkessel unbedingt gemieden werden – Bachen beschützen ihren Nachwuchs instinktiv. Bei Angriffen attackieren Wildschweine meist die Innenseiten der Beine. Die spitzen Eckzähne können Schlagadern verletzen und gravierende Verletzungen verursachen.
Tobias Gruber
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